KI-Agenten: was sie sind, wie sie arbeiten und wo sie im Unternehmen helfen
KI-Agenten bekommen ein Ziel und erledigen die Schritte dahin selbst: Sie suchen Informationen, nutzen Werkzeuge und bereiten Ergebnisse vor. Dieser Ratgeber erklärt, wie KI-Agenten arbeiten, wo sie im Unternehmen helfen und welche Regeln für Daten, Rechte und Freigaben gelten.
Mit Checkliste für den Einsatz im Unternehmen.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein
KI-Agent plant die Schritte zu einem Ziel selbst und nutzt dafür Werkzeuge wie Suche, Datenbanken oder E-Mail. Ein Sprachmodell entscheidet, was als Nächstes passiert. - Gute Agenten brauchen
verlässliches Wissen aus Ihren Quellen. Ohne Quelle rät das Modell, mit Quelle lässt sich jede Aussage prüfen. - Je mehr ein Agent selbst tun darf, desto wichtiger sind
Rechte, Protokoll und Freigaben . Schreibende Aktionen gehören hinter eine Freigabe durch einen Menschen.
Was sind KI-Agenten?
KI-Agenten sind Softwaresysteme, die ein Ziel selbstständig verfolgen. Ein Sprachmodell zerlegt die Aufgabe in Schritte, wählt passende Werkzeuge und bewertet jedes Zwischenergebnis. So entsteht eine Schleife aus Planen, Handeln und Prüfen. Sie läuft, bis das Ziel erreicht ist oder eine Grenze greift, zum Beispiel eine Freigabe durch einen Menschen.
Die Idee, Denken und Handeln abwechselnd zu verbinden, beschreibt unter anderem die Forschungsarbeit Yao et al., ReAct (arXiv 2210.03629). Eine deutschsprachige Einordnung mit Blick auf die Produktion bietet das Fraunhofer IPA.
Der Unterschied zu einem Chat ist die Handlung. Ein Chat antwortet auf eine Frage. Ein Agent kann nachschlagen, rechnen, einen Entwurf schreiben und ihn an das richtige System übergeben.
Wie funktionieren KI-Agenten? Fünf Bausteine und eine Schleife.
Die meisten KI-Agenten lassen sich mit fünf Bausteinen beschreiben, egal ob sie Reklamationen sortieren oder Angebote vorbereiten. Wer einen Agenten plant oder bewertet, prüft diese Punkte und die Schleife, die sie verbindet.
Sprachmodell
Das Modell versteht die Aufgabe und entscheidet den nächsten Schritt. Es kann bei einem Anbieter laufen oder auf Ihrem eigenen Server.
Ziel und Anweisungen
Was soll erreicht werden, in welchem Ton, mit welchen Grenzen? Klare Anweisungen machen das Verhalten vorhersagbar.
Werkzeuge
Schnittstellen zu Suche, Datenbanken, E-Mail oder Ticketsystem. Jedes Werkzeug ist eine Fähigkeit und zugleich ein Risiko.
Wissen
Handbücher, Verträge, Produktdaten. Der Agent fragt sie bei Bedarf ab, statt aus dem Gedächtnis des Modells zu antworten.
Grenzen und Freigaben
Rechte pro Werkzeug, ein Protokoll jedes Schritts und Freigaben für heikle Aktionen. Hier entscheidet sich, ob ein Agent sicher ist.
Die Schleife
Planen, handeln, prüfen, wiederholen. Eine Obergrenze für Schritte und Kosten verhindert, dass ein Agent endlos weiterläuft.
Assistent, Workflow oder KI-Agent: welche KI-Agenten gibt es?
Nicht jede Aufgabe braucht einen Agenten. Oft reicht ein Assistent, der mit Quelle antwortet, oder ein fester Ablauf, in dem die KI einzelne Schritte übernimmt. Die Tabelle zeigt vier Stufen. Mit jeder Stufe trifft die Software mehr Entscheidungen selbst.
| Stufe | Was sie tut | Wer entscheidet den nächsten Schritt? | Beispiel |
|---|---|---|---|
| KI-Assistent | beantwortet Fragen aus festgelegten Quellen | der Mensch | HR-Fragen zu Urlaub und Reisekosten |
| Workflow mit KI | folgt festen Schritten, die KI erledigt einzelne davon | der festgelegte Ablauf | eingehende E-Mails einordnen und weiterleiten |
| KI-Agent | plant die Schritte selbst und nutzt Werkzeuge | das Modell, innerhalb seiner Grenzen | Reklamation prüfen und Gutschrift vorbereiten |
| Multi-Agenten-System | mehrere spezialisierte Agenten teilen sich eine Aufgabe | ein koordinierender Agent | Recherche, Entwurf und Prüfung durch getrennte Agenten |
Faustregel: Beginnen Sie mit der niedrigsten Stufe, die die Aufgabe löst. Ein Assistent mit Quelle ist schneller eingeführt und leichter zu prüfen als ein Agent.
Wo KI-Agenten im Unternehmen helfen.
KI-Agenten lohnen sich bei Aufgaben, die oft vorkommen, mehrere Systeme berühren und klare Regeln haben. Sechs typische Beispiele aus verschiedenen Abteilungen:
Kundenservice
Anfrage lesen, Bestellung nachschlagen, Antwort mit Quelle entwerfen. Gutschriften gehen zur Freigabe.
Personal
Onboarding-Aufgaben anlegen, Fragen zu Richtlinien beantworten, Unterlagen vollständig prüfen.
IT-Support
Ticket einordnen, Lösung aus dem IT-Wiki vorschlagen, Standardfälle wie Passwort-Hinweise vorbereiten.
Vertrieb
Angebotsentwurf aus Produktdaten und Preisregeln erstellen, offene Punkte für das Gespräch sammeln.
Einkauf und Verträge
Fristen und Kündigungsklauseln aus Verträgen finden und Erinnerungen vorschlagen.
Wissensarbeit
Recherche über viele Dokumente, Zusammenfassung mit Fundstellen, Entwurf für die Fachabteilung.
Ohne verlässliches Wissen rät der Agent.
Ein Agent ist nur so gut wie die Informationen, mit denen er arbeitet. Sprachmodelle kennen Ihre Handbücher, Verträge und Produktdaten nicht. Fehlt das Wissen, füllt das Modell die Lücke mit plausibel klingenden Vermutungen. Bei einem Agenten, der danach handelt, ist das teurer als bei einem Chat.
Deshalb trennen viele Unternehmen Agent und Wissen. Der Agent fragt eine Wissensschicht ab und bekommt Textstellen mit Quelle zurück. Das offene Model Context Protocol macht diese Verbindung einheitlich. RAGSuite ist MCP-Server und MCP-Client, beides in der Community Edition. Die Aktionen selbst übernimmt der Agent oder ein Workflow-Werkzeug wie n8n, das RAGSuite als Wissensquelle abfragt.
Risiken von KI-Agenten und was dagegen hilft.
Die OWASP Top 10 für LLM-Anwendungen 2025 führt „Excessive Agency“ als eigenes Risiko (LLM06): Ein System hat mehr Funktionen, Rechte oder Selbstständigkeit, als die Aufgabe braucht. Dazu kommen Prompt Injection, Datenschutz und Mitbestimmung. Die Tabelle ordnet jedem Risiko eine Gegenmaßnahme zu.
Für KI-Agenten, die direkt mit Menschen interagieren, gilt seit dem 2. August 2026 Art. 50 Abs. 1 der KI-Verordnung (EU) 2024/1689: Anbieter müssen solche Systeme so gestalten, dass Menschen informiert werden, dass sie mit einer KI interagieren, es sei denn, das ist offensichtlich. Seit dem 2. Februar 2025 gilt außerdem Art. 4: Maßnahmen zur KI-Kompetenz der Beschäftigten. Dieser Text ist keine Rechtsberatung.
| Risiko | Was passieren kann | Gegenmaßnahme |
|---|---|---|
| Zu viele Rechte | Der Agent ändert oder löscht Daten, die er nicht anfassen sollte. | Nur Leserechte als Standard, schreibende Werkzeuge einzeln freischalten |
| Prompt Injection | Versteckte Anweisungen in einer E-Mail oder Webseite lenken den Agenten um. | Externe Inhalte als Daten behandeln, Freigabe vor Aktionen |
| Falsche Fakten | Der Agent handelt auf Basis einer erfundenen Angabe. | Wissen mit Quelle abfragen, Quellen im Ergebnis zeigen |
| Automatisierte Entscheidungen | Eine Entscheidung mit rechtlicher oder ähnlich erheblicher Wirkung fällt ausschließlich automatisiert (Art. 22 DSGVO). | Mensch entscheidet, der Agent bereitet vor |
| Mitbestimmung | Protokolle erlauben Rückschlüsse auf Beschäftigte (§ 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG). | Betriebsrat früh einbinden, Zweck und Auswertung regeln |
| Kosten ohne Ende | Eine Schleife läuft weiter und verbraucht Rechenzeit. | Obergrenze für Schritte und Kosten je Lauf |
Prompt Injection verhindern →KI und Betriebsrat →Art. 50 KI-Verordnung →
Bevor ein KI-Agent loslegt.
Haken Sie ab, was erledigt ist. Nichts wird gespeichert.
Fragen zu KI-Agenten.
Was ist ein KI-Agent einfach erklärt?
Ein KI-Agent ist ein Programm, das ein Ziel bekommt und die Schritte dahin selbst plant. Ein Sprachmodell entscheidet, welches Werkzeug als Nächstes passt, etwa eine Suche, eine Datenbank oder ein Ticketsystem. Der Agent prüft das Ergebnis und macht weiter, bis das Ziel erreicht ist oder ein Mensch freigeben muss.
Was ist der Unterschied zwischen KI-Assistent und KI-Agent?
Ein KI-Assistent beantwortet Fragen, zum Beispiel aus den Dokumenten Ihres Teams. Ein KI-Agent geht weiter und führt Aktionen aus: Er legt ein Ticket an, schreibt einen Eintrag oder startet einen Ablauf. Damit wächst die Verantwortung. Ein Agent braucht klare Rechte, ein Protokoll und für heikle Schritte eine Freigabe durch einen Menschen.
Welche KI-Agenten gibt es?
Im Unternehmen unterscheidet man meist vier Stufen. Ein Assistent antwortet nur. Ein Workflow mit KI folgt festen Schritten, die KI übernimmt einzelne Aufgaben darin. Ein Agent wählt seine Schritte selbst. In einem Multi-Agenten-System teilen sich mehrere spezialisierte Agenten eine Aufgabe. Je höher die Stufe, desto wichtiger werden Grenzen und Freigaben.
Dürfen KI-Agenten personenbezogene Daten verarbeiten?
Ja, wenn es eine Rechtsgrundlage gibt und die Regeln der DSGVO eingehalten werden, etwa Zweckbindung, Datenminimierung und Auftragsverarbeitung. Entscheidungen mit rechtlicher oder ähnlich erheblicher Wirkung dürfen nach Art. 22 DSGVO grundsätzlich nicht ausschließlich automatisiert fallen. Geben Sie einem Agenten nur die Daten, die er für die Aufgabe braucht. Dieser Text ist keine Rechtsberatung.
Muss der Betriebsrat bei KI-Agenten zustimmen?
Oft ja. Nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG bestimmt der Betriebsrat bei technischen Einrichtungen mit, die dazu bestimmt sind, Verhalten oder Leistung zu überwachen. Nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts genügt, dass sie dazu objektiv geeignet sind. Viele KI-Agenten protokollieren, wer was ausgelöst hat. Beziehen Sie den Betriebsrat früh ein.
KI-Agenten mit belegbarem Wissen.
Jürgen klärt mit Ihnen, welche Aufgabe sich für einen Agenten eignet, welches Wissen er braucht und wo eine Freigabe hingehört.